7. Dezember 2020, |Wien

Die Volkshilfe, Freiwilligenarbeit und Vollzeit berufstätig: Das Team ist das Wichtigste!

Freiwilligenarbeit und Vollzeit berufstätig: Wir haben nachgefragt bei einer Person die seit fast 15 Jahren ehrenamtlich bei der Volkshilfe Wien, Bezirksverein Donaustadt tätig ist. Gabi ist BHS Lehrerin und leistet zusätzlich einen riesigen Beitrag als Unterstützung bei der Volkshilfe.

 

„Ich mach das schon sehr lange, so um die 15 Jahre. Damals wurde ich einfach gefragt, ob ich die Volkshilfe Donaustadt unterstützen möchte, da sie damals irgendwie in der Versenkung war. Ich wurde gefragt, ob ich sie nicht neu beleben möchte und ich habe mir gedacht, dass das insofern toll wäre, dass ich wieder etwas zurückgeben könnte! Mir ging es immer sehr gut im Leben und auf diese Weise kann ich etwas wieder zurückgeben, weil es mir halt, besser geht als anderen Leuten, die schwere Schicksalsschläge hinter sich haben. Somit habe ich begonnen, die Volkshilfe Donaustadt aufzubauen und ich glaube, diese Projekte sind mir ganz gut gelungen.“

- In welchem Bereich engagieren Sie sich?

© VH22

„Sehr vielfältig: Wir sind in der Sozialberatung tätig, und meistens sind wir so die erste Anlaufstelle für Menschen mit Sorgen, mit Problemen im Bezirk. Hier versuchen wir schnell weiterzuhelfen oder in extremen Notfällen kleinere Unterstützungen anzubieten. Wir sind ein ehrenamtlicher Verein, was mit dem Fakt einhergeht, dass wir nicht unendliche Summen zur Verfügung haben, sondern nur von Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen abhängig sind. Aber das, was wir zur Verfügung haben, können und versuchen wir auch zu geben. Das ist so unsere Aufgabe als erste Anlaufstelle.

Dann haben wir verschiedenste Projekte am Laufen, zum Beispiel das Digi-Camp, ein Camp für sozial schwache, übergewichtige Kinder. Denn Kinderarmut ist für uns immer ein wichtiges Thema: Wir unterstützen jetzt momentan auch kinderreiche Familien, die einfach nicht die Ausrüstung für ein erfolgreiches Distance Learning in Zeiten von Covid-19 haben. Wir unterstützen mit Geräten, mit Rat, mit Beratung.

Wir arbeiten auch sehr intensiv auch mit anderen Institutionen zusammen, denn für uns ist auch immer wichtig, die Gesamtheit der Bevölkerung zu beachten. Natürlich liegt uns die Problematik Kinderarmut und die Chancengleichheit, denen sich die Volkshilfe in allen Bundesländern widmet sehr am Herzen, aber es gibt auch einsame, alte Menschen und ich denke mir, dass ich alle Bereiche gerne abdecken möchte! Darum arbeiten wir sehr eng mit den Kinderfreunden zusammen und mit dem Pensionisten Verband. Wir schauen, dass wir ihnen ein breites Spektrum an Vernetzung angedeihen lassen. In jeder Bevölkerungsschicht gibt es Menschen, die sozial benachteiligt sind.

-Wie läuft ein Tag ab, an dem Sie bei der Volkshilfe zu Verfügungstehen? Sind die Arbeitszeiten Flexibel?

© VH22

„Ich mache keinen ganzen Tag, weil es ja ehrenamtlich ist, außer es ist gerade eine große Aktion, aber ansonsten haben wir am Abend Sprechstunden. Ich bin ja noch Vollzeit berufstätig: Ich bin BHS Lehrerin, darum muss ich meine Aktivitäten sehr gut koordinieren. Es ist machbar beides zu koordinieren, man muss sich seine Arbeit nur gut einteilen.

Jetzt Coronabedingt ist das natürlich reduziert, aber sonst haben wir Sprechstunden, zu denen die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten kommen und wir versuchen, ihnen zu helfen. Manchmal gibt es Akutfälle, die rufen einfach bei mir an und ich schaue dann, dass ich das mit meinem Beruf vereinbaren kann, und dann vereinbaren wir einen Termin. Außerdem gibt es Vernetzungstreffen mit anderen Organisationen im Bezirk, wo Besprechungen abgehalten werden, wie „Tag gegen Armut“. Da besprechen wir zum Beispiel mit den Kinderfreunden: Wie starten wir das? Wie werden wir das machen?“

-Was gibt Freiwilligenarbeit Ihnen am Ende des Tages?

Welche Tätigkeit bereitet Ihnen daran am meisten Freude?

© VH22

„Ich fasse das jetzt einmal größer: Ich bin eine Verfechterin der solidarischen Gesellschaft und ich denke, wir müssen immer zusammenstehen, denn gemeinsam werden wir vieles besser schupfen und in eine bessere Zukunft steuern. Wenn ich da wieder ein Stück dazu beitragen konnte, dann ist das für mich eine schöne Sache. Auch dieses Gefühl den Leuten zu geben, dass sie nicht allein gelassen werden! Die Menschen aus anderen -oft sozial benachteiligten Schichten- haben häufig das Gefühl allein gelassen zu werden. Sie fühlen sich oft verlassen. Gleichzeitig verlieren viele Menschen ein bisschen das Gefühl, wie wertvoll eine solidarische Gesellschaft ist. Wenn man ihnen dann wieder Vertrauen geben kann in eine solidarische Gesellschaft ist das für mich sehr viel wert! Manche wollen sich in erster Linie nur ihre Sorgen und ihre Nöte von der Seele reden. Einfach dieses Gefühl, aus der Isolation rauszukommen, dass es da wen gibt, der einfach zuhört, der nicht verurteilt. Eine Person, die einmal sagt:“ Ich versteh Sie und ich kann ihre Probleme nachvollziehen!“ Ich finde es ist auch sehr wichtig nur behutsam Ratschläge zu geben, weil man in erster Linie einfach einmal zuhören sollte und erst im zweiten Schritt behutsam Ratschläge geben sollte. Am besten ist es dem Menschen so zu Raten, dass er das Gefühl hat, er kommt selbst auf die Lösung.“

-Was würden Sie einer Person raten, die sich schon lange überlegt sich
freiwillig zu engagieren und vielleicht selbst noch berufstätig ist?

-Wie sind Sie darauf gekommen, sich freiwillig engagieren zuwollen?

 „Ich denke, man sollte einfach einmal probieren, sich an kleineren Aktionen sich zu beteiligen, sich auch anzusehen, ob das Team zu einem passt in das ich hier hineinkommt. Das ist wichtig, weil das Wertvollste, dass jede*r hat, die/der Berufstätig ist, ist die Freizeit. Und ich bemüh‘ mich auch, sehr behutsam mit der Freizeit meines Teams umzugehen. Ich habe ein sehr gutes und engagiertes Team, eines, das mich wirklich auch unterstützt. Ich schätze in meinem Team sehr, dass diese Menschen ihre Freizeit zur Verfügung stellen, die sie sonst für etwas anderes hergeben könnten. Ich denke mir, wenn ich mich in diesem Team nicht wohlfühle, dann hat das glaube ich auch einen negativen Beigeschmack. Sich in dem Team mit anderen Freiwilligen wohl zu fühlen ist, neben dem Wunsch zu helfen, ist das Wichtigste für mich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man oft das Team in der Arbeit so nehmen muss, wie es ist. Da muss man oft einen professionellen Zugang dazu finden(*lachend*) und am Ende des Tages bekommt man wenigstens dafür etwas gezahlt und ich kann meinen Lebensunterhalt damit bestreiten. Also verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe ein Glück und auch in der Arbeit supernette Kolleg*innen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Freiwilliges Engagement soll in dem Sinn kein „Opfer“ sein, sondern es soll eine Bereicherung in meiner Freizeit sein und das ist es auch bei der Volkshilfe Wien.

Ich habe schon viele Entwicklungen mitgemacht und mitgestaltet in den letzten 15 Jahren, und mir taugt‘s eigentlich immer mehr! Es ist so ein positiver Umgang mit den hauptberuflichen Mitarbeiter*innen, die uns auch supporten, also ich finde das großartig!“

-Und wenn Sie später einmal in Pension gehen, können Sie sich vorstellen, sich noch mehr zu engagieren?

© Gabi Bohlen

„Absolut! Das ist auch schon von der Volkshilfe Wien angedacht, dass ich, wenn ich einmal in Pension bin, ich noch mehr tätig sein werde und ich werde das auch sicher tun! Natürlich werde ich nicht meine gesamte Zeit investieren, weil ich auch viele andere Interessen habe, die ich in der Pension verfolgen möchte. Es ist ein schöner Teil, aber es darf auch nicht zu viel werden, denn ich muss den Klient*innen ja auch positiv gegenübertreten können. (*lachend*) Ich möchte ja nicht denen gegenübersitzen und sagen: „ Na ned schonwieder…“ ich glaube, das wäre dann einfach Themenverfehlung.“

Mit einem herzlichen Lachen und einem „schöne und besinnliche Weihnachtszeit“ haben wir uns nach dem Interview verabschiedet, und wir wünschen Gabi noch ganz viel Freude bei ihrer weiteren Laufbahn als Freiwillige bei der Volkshilfe Donaustadt!

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