8. Mai 2019 | Wien

Freiwillig – Aber nicht unbezahlt

Freiwilligenarbeit ist gleich Solidarität. Eine Form, Zusammenhalt zu erschaffen und aufzuzeigen, oft ein politisches Statement. Auch wenn „freiwillig“ mit „unbezahlt“ gleichgesetzt wird, bedeutet das nicht, dass Freiwillige ohne Entlohnung aus der Zusammenarbeit herausgehen.

Für jede Gesellschaft war und ist Freiwilligenarbeit essenziell. Vielleicht nicht immer die organisierte, aber zumindest das spontane zivilgesellschaftliche Engagement wird es immer geben.

Sich freiwillig für ein Ziel einzusetzen, das für einen wichtig scheint,  ist auch fast immer ein Akt der politischen Eigenrevolution. Entweder man zeigt damit, dass man sich von der Politik in diesem Bereich alleingelassen, vernachlässigt fühlt, gar in so eine Unzufriedenheit getrieben, dass man die Sache selbst in die Hand nehmen möchte. Oder man fühlt sich von den politischen Maßnahmen so überzeugt und mitgerissen, dass man selbst mitanpacken möchte. In jedem Fall steht man in der Freiwilligenarbeit mit seiner Zeit und Energie für etwas auf. Es ist die effektive Langzeitversion des Händehaltens, Menschenketten Bildens, die Fäuste in die Luft Streckens.

„Freiwilligenarbeit ist
Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität. In ihr kommen Menschen verschiedenster
Hintergründe zusammen und arbeiten auf gemeinsame Ziele hin. Dies fördert den
gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Integration.” Annemarie Huber-Hotz, Präsidentin Rotes
Kreuz Schweiz

Man verrichtet eine Arbeit, stellt seine Zeit und sein Wissen bereit, alles nicht für den unmittelbaren Eigennutz, etwas das man in unserer Gesellschaft gängiger Weise nur für Geld macht. Somit führt man wohl den größten Akt des Zusammenhalts aus. Man tauscht den größten Machtfaktor unserer Gesellschaft, Geld, dafür ein, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, die Zukunftswege für andere Mitmenschen zu ebnen. Deshalb wird Freiwilligenarbeit die hauptberufliche Erwerbsarbeit auch nie ersetzen, sie immer nur ergänzen können. Es ist nicht Aufgabe von freiwilligen Mitarbeiter*innen gesellschaftliche Probleme, staatliche Herausforderungen zu überwinden oder zu lösen. „Eine Unterstützung der staatlichen Aufgaben durch freiwilliges Engagement kann ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht das eigentliche Ziel sein“ so auch Bettina Hollstein von der Universität Erfurt.

Auch wenn Arbeitgeber*innen von Mitarbeiter*innen, die sich nebenbei freiwillig engagieren, profitieren. Freiwilligenarbeit ist eine Form der Selbstverwirklichung. Sie bietet Raum, den persönlichen Vorstellungen, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte, Ausdruck zu verleihen. Man kann Werte vertreten, als Individualbeispiel für ein utopisches Zusammenleben vorangehen und so etwas ausleben, das im Berufsfeld oft nicht möglich ist. Durch freiwilliges Engagement lässt sich also eine Art kreativer Freiraum kreieren.

Frau Hornstein betont deshalb auch, dass es deutlich notwendiger wäre, Interessierten freiwilliges Engagement zu
ermöglichen. Etwa von der/dem Arbeitgeber*in der „regulären“ Arbeitsstelle. Hier profitieren alle drei Parteien: die Arbeitgeber*innen von ausgeglicheneren
Mitarbeiter*innen, die Arbeitnehmer*innen von höherem Selbstwert und mehr Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und die Organisation, die eine engagierte Arbeitskraft dazugewinnt. Und zu guter Letzt genauso die Gesellschaft, die ein Weiters von
vielen Positiv-Beispielen einer möglichen Zivilgesellschaft vorgelebt bekommt.


Quelle: 

https://ec.europa.eu/epale/de/blog/freiwilligenarbeit-zwischen-persoenlicher-und-gesellschaftlicher-bedeutung

http://www.gemeinwesenarbeit.at/tagungen/tagung-2016-17-19-oktober/

https://www.nzz.ch/meinung/solidaritaet-muss-gepflegt-werden-ld.137887

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